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Über die Wappenkunst

Heute kommen wir bei vielen Gelegenheiten des täglichen Lebens mit der Heraldik unbewusst in Berührung. Staatswappen erscheinen auf Münzen, Banknoten und Briefmarken, an Gebäuden, in Stempeln staatlicher Institutionen, sogar an der Kleidung der Sportler. Städtische Wappen begegnen uns z. B. auf amtlichen Dokumenten der Stadtverwaltungen, an öffentlichen Verkehrsmitteln, an Portalen alter Rathäuser, erhaltenen Stadttoren und Türmen. Den weitaus größeren Teil der Heroldskunst machen jedoch Familien und Personenwappen aus. Diese finden wir als Eigentumszeichen an vielen alten Bauwerken (Burgen, Schlösser, Festungen, Stadtpaläste und Residenzen), ebenso auf vielen Gegenständen der Innenausstattung (Möbel, Türen, Fußböden) und auf Gegenständen des täglichen Bedarfs (Teller, Bestecke, Pfeifen, Tabakdosen usw.). Sie sind auch auf alten Waffen und Rüstungen zu sehen, auf Bildern, wo Wappen die porträtierte Persönlichkeit begleiten, auf Grabstätten zur Kennzeichnung beerdigter Personen, Familien oder Geschlechter. Zum privaten Gebrauch einzelner Personen dienen Wappensiegel, Briefpapier mit Wappen, Bücherzeichen (Exlibris). Adelige Kirchenpatrone und Dombauherren ließen ihre Wappen über dem Kirchenportal, dem Presbyterium, über Siegesbogen oder auf Patronatsbänke und -fahnen anbringen. Ebenso kann man die Wappen der Stifter häufig an Statuen Heiliger, auf Messgewändern oder Altären sehen.
Auch Wappen kirchlicher Würdenträger und Institutionen, Wappen von Innungen und anderen Institutionen (Museen, Banken, Handelsgesellschaften, wissenschaftlichen Instituten, Schulen, Universitäten usw.) sind keine Seltenheit. Diese Symbole sollen zum tieferen Verständnis unserer Vergangenheit, Kultur und Traditionen, aus denen auch unsere Gegenwart schöpft, beitragen.
Die Heraldik wird oft zu Unrecht für eine tote, überlebte wissenschaftliche Disziplin gehalten. Es trifft gewiss zu, daß sie heute nicht mehr so wie ein vergangenen Zeiten blüht, trotzdem hat sie auch in der Gegenwart ihre Existenzberechtigung.
Die Heraldik spielte in der Geschichte eine kaum zu unterschätzende Rolle. Das Wort „Wappen“ stellt die niederdeutsche Sprachform des Wortes „Waffen“ dar. Es tauchte erstmals im 12. Jahrhundert in der speziellen Bedeutung von Waffenzeichen auf. Die ersten Wappen sind Zeichen mit Fernwirkung, die auf dem Schild, auf Helmen, Rüstungen, farbigen Bannern und Pferdedecken angebracht wurden. Diese Form der Kennzeichnung war wohl die Folge einer neuen Bewaffnungstechnik und einer neuen Art der Kriegsführung, die sich während der Zeit der Kreuzzüge entwickelt hat. Dem sozialen Gefüge entsprechend war die Wappenführung zuerst Sache des Adels. Vom Ende des 13. Jahrhunderts an sind Adel und Wappen so unlöslich miteinander verbunden, dass man sich einen Adeligen, gleich welchen Ranges, ohne Wappen nicht mehr denken kann. Als umfassende Kulturerscheinung verbreitete sich das Wappenwesen aber sehr schnell über die Kreise des Adels hinaus, und schon im 15. Jahrhundert lassen sich sehr viele bürgerliche Wappen nachweisen.


Wappen und moderne Graphik

In allen Jahrhunderten unterlagen die Wappen, nicht nur dem herrschenden Kunstgeschmack, sondern auch anderen geistigen Strömungen — und tun es noch heute. In der heutigen Zeit besteht die große Gefahr des Einflusses der Graphik auf die Heraldik. Bei Städten und Gemeinden breitet sich bedauerlicherweise unter Einfluss der Werbung ein Hang zu einer Art „visuellen Kommunikation" aus. Das Wissen um die ursprünglichen Bedeutungen der Zeichen auf Städte und Gemeindewappen schwindet. Man will „modern", aufgeschlossen und bürgernah sein und verbannt oft alte Wappen, die ein gewachsenes Stück politischer Kultur darstellen, aus dem öffentlichen Blickfeld; stattdessen führt man neue Zeichen und Symbole ein, die weder schön noch aussagekräftig sind. Wie kurzlebig — Gott sei Dank — solche Signete oder Bilderrätsel sind, zeigt in manchem Falle die rasche Aufeinanderfolge verschiedener Zeichen.
 

 

 

Niedersachsen-neu

Niedersachsen-alt

modernes Logo von Niedersachsen
(1996-2002)

altes und seit 2002
wiedereingeführtes Wappen von Niedersachsen

Als positives Beispiel gilt hier die Rückbesinnung des Landes Niedersachsen auf das alte Wappen. Was für die Wirtschaft recht und billig und nützlich ist, kann und darf nicht für politisch verfasste Gemeinwesen gelten.

Die Farbensymbolik der Wappen

Wappen-rot

Wappen-blau

Wappen-gruen

Wappen-schwarz

Wappen-purpur

Wappen-silber

Wappen-gold

 rot  blau  grün  schwarz  purpur silber  gold

Schraffur-senkrecht

Schraffur-waagerecht

Schraffur-links-oben/rechts-unten

Schraffur-Gitternetz

Schraffur-rechts-oben/links-unten

Schraffur-keine

Schraffur-Punktraster

senkrechte
Schraffur

 

waagerechte
Schraffur

Schraffur
von links
oben nach
rechts unten

Gitternetz-
linien
Schraffur

Schraffur
von rechts
oben nach
links unten

keine
Schraffur

Punktraster
Schraffur

 Die Bestandteile eines Wappens

Wappen-komplett

Schild

Stechhelm

Helmdecke

Helmkrone

Helmzier

Schild mit Schildfigur Heroldsbild
Familienwappen
Stechhelm
Helmtyp für bürgerliche Wappen
Helmdecke
in den Schildfarben/ Familienfarben
außen Farbe -
innen Metall
Helmkrone
Laubkrone keine Rangkrone
Helmzier
Persönlichkeits-
zeichen

 

Reiter mit Schild

Der Schild

ist der wichtigste Teil des Wappens. Alle anderen Teile des Wappens können fehlen, und es bleibt trotzdem ein Wappen. Die ältesten Schilde waren sehr einfach. Das hatte praktische militärische Gründe. Die Schilde sollten auch aus größerer Entfernung deutlich erkennbar sein. Die Schildform unterlag im Laufe der Zeit verschiedenen Veränderungen. Im 12.Jahrhundert entwickelte sich aus der Notwendigkeit, Heerzeichen zuführen, der wappenmäßige Schmuck und damit das Wappenwesen. Diese wurden durch Veränderungen der Kriegsheraldik und der Turnierheraldik beeinflusst. Auf manchen alten Schilden ist auf der heraldisch rechten Seite ein Ausschnitt zu sehen,das fachlich als Tartsche bezeichnet wird und den Rittern als Auflage für den Lanzenschaft diente.


Die rechte und linke Seite auf einem Wappen


Eine wichtige Regel und Besonderheit der Heraldik ist die Bestimmung der rechten und linken Seite. Wenn man das Wappen betrachtet, ist die heraldisch rechte Seite links und die heraldisch linke Seite rechts auf der Zeichnung zu sehen. Diese verkehrte Auslegung der Seiten ergibt sich aus der sog. „ courtoisie „ (franz. Höflichkeit), wonach der Wappenträger Vorrang vor dem Betrachter hat und das Wappen vom Träger aus beurteilt wird.


Der Helm

Die wichtigsten Bestandteilen eines Vollwappens sind der Helm. Zu den ältesten Helmen gehörte im 12.-13. Jahrhundert der Topfhelm und der Kübelhelm, getragen etwa seit Mitte des 13. Jahrhunderts. Der Zylinderhelm wurde vom ausgehenden 13. bis ins 14. Jahrhundert getragen. Mit der Entfaltung der Turniere nahm der Helm neue Formen an. Es entstand der Stechhelm der mit seinen abgeschrägten Seiten dieTurnierlanzen besser abgleiten ließ.
All diese Helme gehören zu den geschlossenen Helmen, die dem Ritter zwar maximalen Schutz, jedoch verminderte Sicht gewährten Die Helme hatten nur schmale Sehschlitze und weiter unten einige Atemlöcher.Zu den offenen Helmen gehört der Turnierhelm, auch Bügelhelm oder Spangenhelm genannt.

Topfhelm

Kuebelhelm

Stechhelm

Buegelhelm

Topfhelm
12.-13. Jahrhundert

Kübelhelm
13.-14. Jahrhundert

Stechhelm
Mitte 14. Jahrhundert

Bügelhelm
Mitte 15. Jahrhundert

 

Zur Beliebtheit dieses Helmes trug auch der Umstand bei, das bei Turnieren der Kampf mit Lanzen nach und nach durch Schwerter oder Streitkolben ersetzt wurde, wozu dieser Helm nicht nur ausreichend Schutz sondern auch bessere Sicht gewährte.

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Der Helmwulst und die Helmkrone

Der Helmwust ist ein aus den zusammengerollten Enden der Helmdecke geflochtener Kranz der am Helm befestigt wurde. Es gibt ihn seit der Spätgotik für Adels- und Bürgerwappen. Der Wulst sollte die Schläge im Kampf mildern. Die Farben des Wustes sind mit denen der Helmdecke identisch. Die heraldische Krone ( Laub- oder Blütenkrone ) in einem Wappen ist kein Hinweis auf den Rang des Wappenträgers. Eine Rangkrone kommt nur bei Vollwappen des Adels vor.

 

Die Helmzier

Die Helmzier besteht meist aus aus der Natur abgeleiteten Formen ( Tiere, Ochsenhörner, Adlerflügel, Pfauen-, Hahnen- und Straußenfedern, Hirschgeweihe, Wimpel, Körperteile von Menschen und Tieren etc.). Die Helmzier wurde vorzugsweise aus Holz, Leder, Federn, Blech oder Drahtgeflecht hergestellt welches farbig bemalt oder mit Gold oder Silber verziert wurde.

 

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